{"id":382,"date":"2015-09-29T19:28:49","date_gmt":"2015-09-29T17:28:49","guid":{"rendered":"https:\/\/d800fotos.wordpress.com\/?p=382"},"modified":"2015-09-29T19:28:49","modified_gmt":"2015-09-29T17:28:49","slug":"rezension-glenkeen-garden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.d80fotos.de\/?p=382","title":{"rendered":"Rezension &#8211; Glenkeen Garden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/d800fotos.files.wordpress.com\/2015\/09\/61ijjriiwrl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-383\" src=\"https:\/\/d800fotos.files.wordpress.com\/2015\/09\/61ijjriiwrl.jpg\" alt=\"61IJjRiIWrL\" width=\"584\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/blog.d80fotos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/61ijjriiwrl.jpg 1280w, https:\/\/blog.d80fotos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/61ijjriiwrl-300x201.jpg 300w, https:\/\/blog.d80fotos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/61ijjriiwrl-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/blog.d80fotos.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/61ijjriiwrl-768x514.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Neun B\u00e4nde \u00fcber einen Garten an der Roaring Water Bay im irischen West Cork, die Lage gilt unter G\u00e4rtnern als wuchsfreudiges Paradies, haben mich elektrisiert. Ein Garten, der seit einem Vierteljahrhundert von Ulrike Crespo, der Wella Erbin, und Michael Satke gestaltet wurde. Eine Mammutaufgabe, auch wenn die Geldmittel zur Gestaltung wohl keine Grenze dargestellt haben. Ich war neugierig, wie das ohne eine Schar von Gartenarchitekten gelungen ist, wenn man von Piet Oudolf, der eine Gr\u00e4serwiese angelegt hat, einmal absieht.<\/p>\n<p>Die neun B\u00e4nde, 37 x 28 cm, ein Band 28 x 37 cm, broschiert, aber fadengebunden, liegen in einer Schmuckbox vor. Warum es eine limitierte Auflage ist, erschlie\u00dft sich erst, wenn man sieht, wie die B\u00e4nde aufgemacht sind. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Die erste Herausforderung, die B\u00e4nde zu betrachten, ist, dass man einen Tisch braucht, der mindestens 1,45 m breit ist. Durch die Broschur kann man die Fotos nur betrachten, wenn sie auf einer festen Unterlage liegen, sonst kann man schlecht bl\u00e4ttern. Man sieht auf den ersten Blick traumhaft sch\u00f6ne Fotos, allerdings in Mattdruck, so dass sie, positiv ausgedr\u00fcckt, zwar bei direktem Lichteinfall nicht spiegeln aber auch viel an Brillanz verlieren. Bei n\u00e4chsten Blick springt riesengro\u00dfe Schrift, teilweise im schreienden Maigr\u00fcn und meistens in lautem \u201efett\u201c dem Betrachter entgegen, eine Schrift, die nicht gelesen werden will, denn sie kann nur als Gestaltungselement gedacht sein, denn kein Mensch wird gerne Zeilen von 37 L\u00e4nge mit bis zu 5,5 cm H\u00f6he im Blocksatz lesen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Damit ist klar, diese B\u00fccher sind keine Dokumentation von Glenkeen Garden, keine Fotos mit literarischen Texten, die den Garten erkl\u00e4ren, sondern Fotob\u00e4nde mit sparsamen Erkl\u00e4rungen. Die g\u00e4rtnerischen Aspekte werden nur wenig aufgegriffen. Nun gut, es gibt den Pflanzplan von Piet Oudolf, der aber nicht beispielhaft, gut lesbar in Ausz\u00fcgen gezeigt wird, sondern als ornamental wirkender Gesamtplan. Es gibt auch einen Lageplan des Gartens mit allen Elementen, einen Zeitplan, wann welche Elemente des Gartens angelegt wurde, wie oft die Gr\u00e4serwiese nachgepflanzt werden musste, dass B\u00e4ume in gro\u00dfen St\u00fcckzahlen gepflanzt wurden und ein Register der Pflanzen. An diesem sieht man gut, dass all das nur Beiwerk ist, denn G\u00e4rtner will man nicht ansprechen, wenn man Quercus robur unter Gr\u00e4ser einordnet, Miscanthus und nicht nur die mehrfach auff\u00fchrt, manchmal auch doppelt mit deutscher Spezifikation oder mit der englischen, ganz abgesehen von Tippfehlern in den Bezeichnungen. Darauf ist keine Sorgfalt verwendet worden, denn diese Unstimmigkeiten sieht man auf den ersten Blick. Vollst\u00e4ndige Pflanzlisten k\u00f6nnen es auch nicht sein, was hier herausgehoben werden soll, erschlie\u00dft sich nicht.<\/p>\n<p>Die B\u00e4nde sind verschiedenen Fotografen gewidmet, die eine eigene Sicht auf den Garten haben oder sie, wie Ulrike Crespo, unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammenfassen.<\/p>\n<p>Die meisten Fotos sind gro\u00dfartig, wenn denn die Gestaltung der B\u00fccher ihnen die Gelegenheit g\u00e4be, so gro\u00dfartig zu wirken wie sie sind. Man kommt auf die Idee, dass die Gestaltung, die sich an keine Regel h\u00e4lt, &#8211; nicht wie der Mensch sieht, wie er liest, was er mit dem Blick erfassen kann, &#8211; nicht darauf vertraut hat, dass diese Fotos alleine wirken. Als ob man den Leser und Betrachter durch die Gestaltung schockieren und verwirren wollte um zu verschleiern, dass bei den Fotos Experten am Werk waren, deren Fotos eine Botschaft transportieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Fotos sind vorwiegend ungef\u00e4hr im Format 4:3, manchmal mit Rand, mal rundum als Rahmen, mal nur links, mal rechts, manchmal ohne, manchmal \u00fcber die Mitte, eingestreut sind rechte freie Seiten. Wenn es kleine Fotos sind, w\u00e4hnt man sich in einem billigen handels\u00fcblichen Fotobuch, mit Fotos, die sich \u00fcberlappen, ohne Linien, die das Auge aufnehmen k\u00f6nnte und den Blick f\u00fchren.<\/p>\n<p>Warum hat man bei den Texten eine solche H\u00fcrde erzeugt um sie zu lesen? Die Texte kann ich nur als ornamentale Einstreusel empfinden, denn der Satz ist keine Aufforderung zum Lesen. Die Texte sind meist \u00fcber die gesamte Buchbreite im Blocksatz gesetzt, teilweise mit Gro\u00dfbuchstaben oder fett. Diese Nicht-Lesbarkeit wird noch getoppt durch dunkelgraue Buchstaben auf schwarzen Grund in Band 8. Ich vermute, Otl Aicher w\u00fcrde sich, s\u00e4he er dieses Buch, im Grabe herumdrehen und Erik Spiekermanns Aufschrei \u00fcber die Typografie k\u00f6nnte man sicher bis Irland h\u00f6ren.<\/p>\n<p>In Band 1, in dem sich Ulrike Crespo und Michael Satke als einf\u00fchlsame Menschen mit einer tiefen Beziehung zum Garten darstellen, bricht das Layout sofort die Wirkung der beidseitigen Fotos. Was wollen die laut schreienden Kapitale in 5,5 cm H\u00f6he \u00fcber eine Doppelseite gesetzt, sagen?<\/p>\n<p>Gerald Zugmann (Band 2) macht schwarz\/wei\u00df Fotos. An sich beeindruckende Fotos, wenn denn nicht die Pr\u00e4sentation in einem Hochformatband dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass jedes Foto geknickt ist und man es vor dem Anschauen aufklappen muss. Am besten w\u00e4re, wenn man den Band auf eine Staffelei stellen w\u00fcrde zu der man im Abstand so stehen kann, dass man das ganze Bild wirklich erfassen kann \u2013 mit einem Helfer, der bl\u00e4ttert \u2026 Ab und zu sind kleine Fotos in Farbe eingestreut, die aber so willk\u00fcrlich platziert sind, dass sie den Eindruck dieser gro\u00dfen Fotos nicht verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Band 3 mit Fotos von Ulrike Crespo und Michael Satke widmet sich den Jahreszeiten. Es ist der Band, der am gleichm\u00e4\u00dfigten gestaltet ist, es gibt nur ein paar unmotivierte rechte leere Seiten. Spontan habe ich gedacht, dass die Fotografen sich nicht entschlie\u00dfen konnten, \u00e4hnliche Fotos wegzulassen.<\/p>\n<p>Band 4 (Ulrike Crespo) gl\u00e4nzt mit Text, der zur Vermeidung von Lesbarkeit seitenbreit gesetzt ist. Wer sich die M\u00fche macht, ihn zu lesen, findet eine Hommage an die Fotografin. Der Band widmet sich den Unterwasserwelten. Auff\u00e4llig ist, dass auch hervorragende Fotos von Blasentang (eine Blaualge) langweilig werden, wenn es 20 St\u00fcck sind.<\/p>\n<p>Wenn man bis zu Band 5 (Ulrike Crespo \u2013 Nahaufnahmen) gekommen ist, glaubt man nicht, dass man Fotos noch unruhiger pr\u00e4sentieren kann als bisher schon gesehen. Man kann. Man kann die Wirkung der Fotos einfach mindern. Man k\u00f6nnte sie sonst f\u00fcr wunderbar halten.<\/p>\n<p>Im Band 6 (Kurt-Michael Westermann) setzt sich die unruhige Gestaltung fort und man findet, diesmal in zwei Spalten mit einer kleineren Schrift gesetzt, ein Interview dar\u00fcber, was sich der Fotograf bei den Fotos gedacht hat.<\/p>\n<p>Bei Band 7 (Ulrike Crespo) reicht ein Tisch mit 1,12 Breite zum Ausklappen der beiden B\u00fccher, die darin enthalten sind. Der Sinn dieses zus\u00e4tzlichen Formats erschlie\u00dft sich mir nicht, denn auch hier macht die schiere Gr\u00f6\u00dfe das Erfassen eines Fotos unn\u00f6tig schwer. Am besten steht man auf um genug Abstand zum Ansehen zu gewinnen. In diesem Band sind in dem linken enthaltenen Buch \u201everwischte Fotos\u201c, sogenannte Zieher, zusammengefasst, in denen Bewegungsunsch\u00e4rfe k\u00fcnstlich erzeugt ist, das rechte Buch lichtet Annuelle mit einem Softfilter ab. Das sind \u00fcberraschende Effekte, aber die Menge der Fotos stumpft ab. Die Sch\u00f6nheit eines Fotos ist schwer zu erfassen, wenn es so viele der gleichen Machart sind.<\/p>\n<p>Oliver Jiszda (Band 8) macht Nachtaufnahmen mit Scheinwerfern. Ungew\u00f6hnliche Fotos eines n\u00e4chtlichen Gartens, aber das Layout, wie k\u00f6nnte es anders sein, mit schwarzen Grund und dunkelgrauer Schrift f\u00fcr die wenigen Kommentare des Fotografen vermindert die Wirkung. Leere schwarze, unvermittelt eingestreute Seiten fokussieren nicht, sie verwirren, weil sie den Fluss des Anschauens nachhaltig zerst\u00f6ren. Wenn ich mich auf ein Foto einlasse, mich quasi \u201ehineinbegebe\u201c um die Stimmung zu erfassen, das Auge vom Foto leiten lasse, wird all das, was Kunst ausl\u00f6sen kann \u2013 und viele der Fotos w\u00fcrde ich als Kunstwerke sehen \u2013 zunichte, wenn ich umbl\u00e4ttere und da ist nur Schw\u00e4rze. Kein Foto, da wo ich es erwarte. Besonders verst\u00f6rend finde ich die in nahezu unlesbarem dunkelgrau gesetzten Text \u00fcber das, \u201cwas G\u00e4rtner nachts f\u00fcrchten\u201c. Beschrieben sind ganz konkrete R\u00fcckschl\u00e4ge in Laufe der Gartenjahre von Glenkeen Garden und erlebte Herausforderungen durch Ankunft eines Trucks mit B\u00e4umen. Auch hier kann ich nur dar\u00fcber r\u00e4tseln, warum die Stimmung der Nachtaufnahmen gebrochen wird und was diese Ausf\u00fchrungen dort sollen.<\/p>\n<p>Band 9 nennt sich Diary. Die knappe aufz\u00e4hlende Chronologie hat mir best\u00e4tigt, dass es an Geld und Personal nie gefehlt hat.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Ich hatte ein Buch \u00fcber eine Leidenschaft erwartet, die \u00fcber 25 Jahre getragen hat. Die Fotos strahlen die Leidenschaft der Fotografen aus, die aber durch das Layout stark zur\u00fcckgenommen wird. Man h\u00e4tte diese Leidenschaft greifbar machen k\u00f6nnen mit einer Buchgestaltung und einem Layout, das sich der Klasse der Fotos anschlie\u00dft. Das ist offensichtlich nicht geschehen. So ist der Garten zur Kulisse geworden, zu einer als Hommage an einen Garten, der bestimmt wunderbar ist, aber der nur die Motive f\u00fcr die Fotos liefert. Aber der Leser kann den Garten nicht erleben. Nur bei den Fotos der Gr\u00e4serwiese von Piet Oudolf schien er auf als lebendiges Gebilde. Keine Fotos vom Bamboogarten, Rhododendrongarten, Rosengarten (nach dem Register sind viele Austin Rosen versammelt, wahrscheinlich bl\u00fchen sie \u00fcberw\u00e4ltigend \u2026). Oh, was h\u00e4tten mir die Fotos zeigen k\u00f6nnen, wenn es B\u00fccher w\u00e4ren, die den Garten zeigen. So sehe ich die Fotos von hervorragenden Fotografen, die sich besser pr\u00e4sentiert h\u00e4tten, h\u00e4tten sie die Anzahl der Fotos beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Als was sind diese B\u00fccher gedacht? Auf Grund des Preises und der limitierten Auflage k\u00f6nnte man denken als Statussymbol. Daf\u00fcr spricht auch das alle Regeln brechende und Besonderes um jeden Preis erzielen wollende Layout.<\/p>\n<p>Viele Fotos lassen die Magie dieses Gartens ahnen, aber da das Layout systematisch die Magie bricht und die Fotos nicht in ihrer Wirkung steigert sondern sie fast dieser Magie beraubt, kann ich den B\u00fcchern nicht mehr als drei Sterne, ein befriedigend, geben.<\/p>\n<p>Rezensentin: Edith Gottwald<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neun B\u00e4nde \u00fcber einen Garten an der Roaring Water Bay im irischen West Cork, die Lage gilt unter G\u00e4rtnern als wuchsfreudiges Paradies, haben mich elektrisiert. 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